Klosterbuchhandlung in einem Zeitungsartikel von Heribert Andres

 

Viel mehr als geistliche Bücher

Kloster Wie Bruder Matthias die Klosterbuchhandlung in Neresheim innerhalb kürzester Zeit völlig neu ausgerichtet hat – Fair-Handel-Abteilung inklusive.

Heribert Andres

Margret Eder, 65, hilft Bruder Matthias in der Klosterbuchhandlung und betreibt dort auch die Fair-Handel- Abteilung mit Köstlichkeiten und Kunst aus aller Welt. Foto: han

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Neresheim

Hell, freundlich, modern und auf einer respektablen Verkaufsfläche überraschend breit aufgestellt. Das sind die ersten Eindrücke, wenn man die „neue“ Klosterbuchhandung oben in der Abtei Neresheim betritt. Neu deshalb, weil hier in den Räumen der Prälatur direkt neben der Zufahrt zum Klosterbereich praktisch alles umgekrempelt wurde.

„Das war früher eine klassische Klosterbuchhandlung mit Schwerpunkt Kunsthistorie. Wir haben jetzt das Sortiment um 90 Prozent verändert“, blickt Bruder Matthias zurück.

Jetzt findet sich hier eine Vollsortiments-Buchhandlung, ergänzt durch Non-Book-Geschenkartikel, Kalender, Klangschalen, Kochbücher, Anlasskarten, das eine oder andere Edel-Lebensmittel, wie Gin oder Likör und vieles mehr.

Natürlich gibt es auch ein gut sortiertes theologisch/spirituelles Buchsortiment. Doch auch Bücher zum Thema Missbrauch, Frauen in der Kirche, Achtsamkeitsthemen, Jesus Christus als Jude oder auch zum Thema Wüstenväter. „Das sind ja so etwas wie die Urväter der heutigen Mönche und geben Handlungsanweisungen, die man als Otto Normalverbraucher gut in sein Alltagsleben integrieren kann“, erläutert Bruder Matthias dazu.

Wer will, kann sich gleich auch in das ruhige Lesezimmer im Turmzimmer zurückziehen. Das hat Stil.

Klein ist die Buchhandlung zwar, aber richtig fein. Angesagte Titel der Belletristik sind hier genauso zu finden wie gängige Kinderbücher und ausgesuchte Biografien. „Hier verfolge ich das Ziel, spannende Sachen oder relativ klare Positionierungen zu bieten“, sagt Bruder Matthias dazu. Und er ergänzt: „In so einer kleinen Buchhandlung geht es noch, dass man sein Sortiment zum größten Teil auch selbst gelesen hat“.

Das Buch über Thomas Müller aufzunehmen, war eine Demutsprüfung.

Bruder Matthias,
St. Pauli Fan

Stimmt. Schnell entdeckt der aufmerksame Beobachter kleine „Empfohlen“-Zettelchen überall in den Regalen. Die machen neugierig und regen zum kleinen Bücherplausch an.

Zeit, einmal einen Blick auf den neuen Verantwortlichen zu werden: „In Stuttgart geboren, 27 Jahre alt, gelernter Bankkaufmann und immer schon in der katholischen Kirche aktiv.“ So beschreibt sich Bruder Matthias in Kurzform selbst.

„Das Ordensleben könnte mir gefallen“, ist er über sein kirchliches Engagement dann „auf den Trichter gekommen“ und als Novize in den Konvent der Benediktinerabtei Neresheim eingetreten. Das war vor über drei Jahren.

Mittlerweile hat er die zeitliche Profess abgelegt und macht zurzeit in Münsterschwarzach seine Ausbildung zum Buchhändler. „Es ist nicht üblich, dass man in der zeitlichen Profess schon eigenverantwortlich einen Bereich leiten darf“ freut sich Bruder Matthias über das ihm entgegengebrachte Vertrauen.

Ihm zur Seite steht Margret Eder, 65 Jahre jung. „Im Juni habe ich das Schild gesehen ‚wegen Personalmanger geschlossen‘. Da habe ich mir gesagt ich bin ja jetzt in Rente, vielleicht kann ich mitarbeiten“, erzählt die vor zwei Jahren nach Neresheim gekommene Stuttgarterin. Ihr Hauptanliegen ist dabei der „Fairhandelsraum“, der auf ihr Betreiben hin jetzt neu in der Klosterbuchhandlung eingerichtet wurde und ebenfalls ein großes Sortiment speziell an Lebensmitteln bietet. Ein Grund mehr, einmal vorbei zu schauen.

Die Klosterbuchhandlung mit Fair Handel-Abteilung ist immer von Donnerstag bis Sonntag, in der Zeit von 11 bis 11.45 Uhr und von 13 bis 16.30 Uhr geöffnet.

© Schwäbische Post 30.10.2020 18:52

 



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