Corona-Virus: Unter strengen Voraussetzungen: Nicht öffentliche Gottesdienste im Kloster Neresheim

Unter strengen Voraussetzungen:

Nicht öffentliche Gottesdienste innerhalb der Klostergemeinschaft der Abtei Neresheim

 

In ihrer 1. Mitteilung vom 17. März 2020 an die Oberen der Ordensgemeinschaften in der Diözese Rottenburg-Stuttgart haben Generalvikar Dr. Clemens Stroppel und Weihschof Dr. Gerhard Schneider, Bischofsvikar für die Liturgie, die Voraussetzungen für Gottesdienste in Klöstern und Ordensgemeinschaften benannt:

 

"Sehr geehrte, liebe Leitungsverantwortliche in den Ordensgemeinschaften in unserer Diözese,
nach den neuen Regelungen vom 16. März können in Klöstern und Ordensgemeinschaften unter folgenden Voraussetzungen weiter Gottesdienste gefeiert werden:


1. Der Gottesdienst findet ausschließlich in der häuslichen Gemeinschaft / Lebensgemeinschaft des Klosters / der Ordensgemeinschaft bzw. des Konvents statt. Es nehmen ausschließlich Personen aus dieser häuslichen Gemeinschaft teil und keine Personen, die außerhalb wohnen. Der Gottesdienst ist nicht öffentlich. Die Kapelle ist nicht von außerhalb zugänglich bzw. für die Zeit des Gottesdienstes verschlossen.


2. Alle derzeit geltenden besonderen Vorsichts- und Hygienemaßnahmen (insbesondere hinsichtlich der Spendung der Heiligen Eucharistie) werden genau eingehalten.
Es ist auf genügend Abstand zwischen den Mitfeiernden zu achten. Bei Gottesdiensten mit Seniorinnen und Senioren muss die Leitung ggf. Maßnahmen ergreifen, um deren besonderer Gefährdung Rechnung zu tragen.


3. Für die Zelebranten gelten folgende Regeln: Sie dürfen nicht aus Risikogebieten zurückkehren und zur 14-tägigen häuslichen Quarantäne verpflichtet sein oder mit einer solchen Person in häuslicher Gemeinschaft leben; sie dürfen keine Krankheitssymptome zeigen."

 

Wir Mönche der Abtei Neresheim wissen uns diesen kirchlichen Vorschriften verpflichtet:

 

Unsere normalerweise täglich öffentlich zugängliche Abteikirche ist seit Montag Nachmittag, 16. März 2020 während unserer klösterlichen Gottesdienste konsequent nach außen hin zugeschlossen.
Die Abteikirche ist täglich für stille Einzelbeter geöffnet: ca. 10:00 bis vor 12:00 und 14:00 bis 17:00 Uhr.
Der Kapitelsaal, in dem wir um 5:00 Vigil und Laudes beten, liegt innerhalb der Klausur und verfügt über gar keinen direkten Zugang von außen.

 

An unseren derzeit nicht öffentlichen Gottesdiensten nehmen nur wir sieben Mönche teil und aktuell zwei Klausurgäste, die innerhalb unserer klösterlichen Klausur / Hausgemeinschaft, aber in einem anderen Flügel des Konventgebäudes, wohnen. Einer der beiden bleibt nur noch wenige Tage bei uns. Wir nehmen danach bis auf weiteres keine weiteren Klausursgäste mehr auf. Wir haben am Dienstag, 17. März 2020 allen bereits angemeldeten Klausurgästen leider absagen müssen. Lediglich der Organist wird gelegentlich als Klausurgast innerhalb der klösterlichen Hausgemeinschaft wohnen. Wir lassen keine Gottesdienstteilnehmer von außen zu, auch nicht Priester.

 

Bei unseren nicht öffentlichen Gottesdiensten nehmen wir aus Rücksicht voreinander unsere Plätze im Chorraum der Abteikirche bzw. im Kapitelsaal möglichst weit verteilt ein - entgegen unseren von der Liturgischen Bewegung und vom Zweiten Vatikanischen Konzil geprägten Überzeugungen von liturgischer Gemeinschaft.

 

Bereits seit Mittwoch, 26. Februar 2020 haben wir uns beim Friedensgruß nicht mehr die Hände gereicht und auch die Gottesdienstteilnehmer aufgefordert, darauf zu verzichten.

 

Beim Konventamt, das ist unsere klösterliche Form der heiligen Messe, trinken die Konzelebranten seit Mittwoch, 26. Februar 2020 nicht aus dem Kelch, sondern tauchen die Hostie ein. Der Hauptzelebrant trinkt erst als Letzter und Einziger aus dem Kelch. Die Patres, welche die Kommunion austeilen, desinfizieren sich vor dem Gottesdienst in der Sakristei die Hände.
Am Tag zuvor, am 25. Februar 2020, hatte Baden-Württemberg einen ersten Corona-Fall gemeldet.

 

Die Heilige Kommunion wurde im Bereich unserer Abtei Neresheim schon seit Sonntag, 23. Februar 2020 nur noch auf die Hand gereicht.
Von der Form der Mundkommunion wurde in userer Abteikirche seither wegen der Gefahren einer Übertragung der Infektion konsequent abgesehen.

 

Wir Mönche der Abtei Neresheim empfinden diese Erlaubnis, ganz klosterintern die Gottesdienste feiern zu dürfen, als eine große unverdiente Gnade, für die wir außerordentlich dankbar sind, und ebenso als eine sehr große Verpflichtung zum stellvertretenden Fürbittgebet für alle vom Corona-Virus betroffenen Menschen.

 

Das tägliche Gebet der Psalmen der Bibel

In unseren täglich fünf nicht öffentlichen Stundengebeten singen wir im Lauf einer Woche alle Psalmen der Bibel.

Es gibt unterschiedliche Arten von Psalmen, dazu gehören Klage-, Dank- und Lobpsalmen. Sie sind entweder aus der Sicht einer einzelnen Person formuliert oder aus der Sicht des gesamten Volkes Israel. Lobpsalmen zum Beispiel sind häufig als Gesang einer Gemeinde geschrieben, die Gottesdienst feiert. Klage- und Dankpsalmen hingegen spiegeln oft ganz persönliche Glaubenserfahrungen wider.

Viele Klagepsalmen haben eine besondere Eigenschaft: Die betenden Personen klagen Gott manchmal regelrecht an. Sie erinnern ihn an sein Versprechen und werfen ihm vor, sich nicht zu kümmern. Selbst Jesus spricht kurz vor seinem Tod einen solchen Psalm: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ (Mattäus 27,46 zitiert Psalm 22,2) Doch selbst wenn der Psalmbeter das größte Leid empfindet, wird in den Psalmen deutlich, dass er trotzdem darauf vertraut, dass Gott ihn aus Not und Angst herausführen kann.   Text der EKD

 

Am Ende jedes Tages dieser Corona-Pandemie beten wir Mönche im Kloster Neresheim dieses Gebet:

 

Gott Vater, Schöpfer der Welt,
du bist allmächtig und barmherzig.
Aus Liebe zu uns hast du deinen Sohn
zum Heil der Menschen an Leib und Seele
in die Welt gesandt.
Schau auf deine Kinder,
die in dieser schwierigen Zeit der Prüfung und Herausforderung
in vielen Regionen Europas und der Welt
sich an dich wenden,
um Kraft, Erlösung und Trost zu suchen.
Befreie uns von Krankheit und Angst,
heile unsere Kranken,
tröste ihre Familien,
gib den Verantwortlichen in den Regierungen Weisheit,
den Ärzten, Krankenschwestern und Freiwilligen Energie und Kraft,
den Verstorbenen das ewige Leben.
Verlasse uns nicht im Moment der Prüfung,
sondern erlöse uns von allem Bösen.
Darum bitten wir dich,
der du mit dem Sohn und dem Heiligen Geist
lebst und herrschst bis in alle Ewigkeit.
Amen.

Maria, Mutter der Kranken und Mutter der Hoffnung, bitte für uns!"

Gebet der Europäischen Bischofskonferenzen

 



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